Die Zugstufe (Rebound Damping) bestimmt, wie schnell eine Federgabel oder ein Dämpfer nach dem Einfedern wieder ausfedert. Sie kontrolliert dabei nicht die Einfederbewegung, sondern die Rückstellgeschwindigkeit der Feder.
Ohne Rebound Dämpfung würde die im Fahrwerk gespeicherte Energie schlagartig freigesetzt werden. Das Fahrwerk würde unkontrolliert ausfedern und das Fahrrad unruhig wirken lassen. Die Zugstufe sorgt dafür, dass diese Bewegung kontrolliert und gleichmäßig erfolgt.
Eine richtig eingestellte Zugstufe verbessert die Traktion, erhöht die Kontrolle und sorgt für ein ruhiges, berechenbares Fahrverhalten.
Beim Ausfedern bewegt die Feder den Kolben im Federelement zurück in seine Ausgangsposition. Gleichzeitig muss das Dämpfungsöl erneut durch definierte Ölkanäle und Ventilsysteme strömen.
Der dabei entstehende Strömungswiderstand begrenzt die Geschwindigkeit der Ausfederbewegung. Über den Rebound-Einsteller kann dieser Ölfluss verändert und die Zugstufe an den Fahrer sowie den Einsatzbereich angepasst werden.
Ist die Zugstufe zu weit geöffnet, federt das Fahrwerk sehr schnell aus.
Dadurch kann das Bike unruhig wirken und nach Schlägen regelrecht zurückspringen. Besonders auf rauen Trails verliert das Laufrad leichter den Bodenkontakt, wodurch Traktion und Kontrolle abnehmen.
Typische Anzeichen sind:
Eine zu schnell eingestellte Zugstufe kann sich besonders auf Jumplines und bei Sprüngen negativ auswirken.
Beim Absprung wird das Fahrwerk entlastet. Federt es zu schnell aus und der Fahrer springt nicht aktiv mit dem Bike ab, kann das Hinterrad das Fahrrad nach oben drücken, während das Vorderrad vergleichsweise früh absinkt. Dadurch verändert sich die Fluglage des Bikes bereits beim Absprung.
Die Folge kann sein, dass das Fahrrad mit der Front nach unten absinkt. Je nach Geschwindigkeit und Sprungform steigt dadurch das Risiko eines Überschlags oder eines Sturzes über den Lenker deutlich.
Aus diesem Grund sollte die Zugstufe nicht ausschließlich nach maximaler Traktion oder einem schnellen Ausfedern eingestellt werden. Gerade bei Bikes, die regelmäßig auf Jumplines, in Bikeparks oder auf großen Sprüngen bewegt werden, ist eine ausgewogene Abstimmung entscheidend. Das Fahrwerk muss schnell genug ausfedern, um auf aufeinander folgende Hindernisse reagieren zu können, gleichzeitig aber kontrolliert arbeiten und das Bike beim Absprung nicht aus der Balance bringen.
Praxis-Tipp: Wenn sich dein Bike an Absprüngen unruhig anfühlt oder das Heck das Gefühl vermittelt, dich "über den Lenker schieben" zu wollen, kann eine zu schnell eingestellte Zugstufe eine mögliche Ursache sein. In diesem Fall lohnt es sich, die Zugstufe schrittweise etwas langsamer einzustellen und das Verhalten auf derselben Sprungkombination erneut zu testen.
Wichtig: Fahranfänger sollten in Bikeparks eine eher "langsamere" Zugstufe wählen um die Gefahr eines Überschlages zu vermindern!
Ist die Zugstufe zu stark geschlossen, federt das Fahrwerk nur langsam aus.
Bei schnell aufeinander folgenden Schlägen kann es dadurch passieren, dass das Fahrwerk nicht vollständig in seine Ausgangsposition zurückkehrt, bevor das nächste Hindernis erreicht wird. Dieser Effekt wird als Packing bezeichnet.
Das Fahrwerk arbeitet dadurch immer tiefer im Federweg und verliert zunehmend an Reserven.
Typische Anzeichen sind:
Als Ausgangspunkt empfiehlt es sich, die Grundeinstellung des Herstellers zu verwenden, die Hersteller wie Öhlins, FOX oder Rockshox haben onlinetools um die Grundeinstellung zu finden. Anschließend kann die Zugstufe schrittweise an den persönlichen Fahrstil und den Einsatzbereich angepasst werden.
Eine einfache Möglichkeit, die Grundeinstellung zu überprüfen, ist der Entlastungstest.
Drücke das Heck des Fahrrads kräftig in den Federweg und lasse es anschließend schlagartig los. Das Hinterrad sollte kontrolliert ausfedern und den Bodenkontakt möglichst beibehalten. Beginnt das Hinterrad deutlich zu hüpfen oder hebt spürbar vom Boden ab, ist die Zugstufe in der Regel zu schnell eingestellt. Federt das Fahrwerk dagegen nur träge aus, ist sie meist zu langsam.
Als Faustregel gilt: Die Zugstufe des Hinterbaudämpfers sollte so schnell wie möglich eingestellt werden, ohne dass das Hinterrad beim schlagartigen Entlasten zu hüpfen beginnt.
Bei der Federgabel darf die Zugstufe häufig etwas schneller gewählt werden als am Hinterbau. Beim Entlastungstest ist ein leichtes Abheben oder ein Hüpfen des Vorderrads um wenige Millimeter in vielen Fällen durchaus gewünscht. Dadurch steht die Gabel nach einem Hindernis schneller wieder im vollen Federweg zur Verfügung und kann auf schnell aufeinanderfolgende Schläge sensibler reagieren.
Die optimale Einstellung hängt jedoch immer vom Fahrrad, dem Einsatzbereich und den persönlichen Vorlieben des Fahrers ab. Deshalb sollte die Grundeinstellung anschließend immer auf dem Trail überprüft und bei Bedarf fein angepasst werden.
Wichtig: Der Entlastungstest liefert eine sehr gute Grundeinstellung, ersetzt jedoch keinen Fahrtest. Erst auf dem Trail zeigt sich, ob die Zugstufe optimal zur Fahrwerkskinematik, zum Untergrund und zum persönlichen Fahrstil passt.
Hinweis: Eine Veränderung des Luftdrucks oder der Federrate beeinflusst auch die Ausfedergeschwindigkeit. Deshalb sollte die Zugstufe nach jeder Änderung des SAG oder der Federhärte erneut überprüft und gegebenenfalls angepasst werden.
